10.07.2020

Jaky´s Informationen & News

Am Nachmittag treffen sich die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Bundesländer, um die Energiewende zu besprechen.

Wenn man Wilfried Haas auf die derzeitige Energiewendepolitik in Berlin anspricht, schüttelt er den Kopf. „Es passiert viel zu wenig und zu langsam“, sagt der Ingenieur aus Ingelheim bei Mainz. „Die Ziele, die sich die Bundesregierung gesteckt hat, um die 1,5-Grad-Marke im Pariser Klimaabkommen zu einzuhalten, sind zu gering.“

Der 61-Jährige bezeichnet sich selbst als Pionier im Bereich erneuerbare Energien. Er plant und baut bereits seit 1987 Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Gerade eben ist er mit seinem Elektroauto unterwegs zu einem Kunden, der sich eine Photovoltaikanlage anschaffen möchte. Das Problem: Haas kann dem Kunden derzeit nicht zusichern, dass dieser für seinen auf dem eigenen Hausdach produzierten Ökostrom überhaupt noch eine Einspeisevergütung bekommt.

Über dem „Solardeckel „gibt es kein Geld

Der Grund ist der gesetzlich vorgeschriebene sogenannte 52-Gigawatt-Photovoltaik-Deckel. Das heißt: Wenn bundesweit 52-Gigawatt-Photovoltaikleistung bei Anlagen erreicht sind, dann erhalten die Anlagen, die danach ans Netz gehen, keine garantierte Einspeisevergütung mehr. Genau das droht in den nächsten Wochen zu passieren, schätzen Experten und fordern daher, dass der „Solardeckel“ sofort abgeschafft wird.

Das Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt sei ein „Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik“, sagt Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. „Wird die Solarenergie weiterhin ausgebremst, so wird Klimaschutz zur Makulatur. Das drohende Ende der Einspeisevergütung für neue Solarstromanlagen führt bereits jetzt dazu, dass geplante Solarstromprojekte auf Eis gelegt werden, da sie gegebenenfalls nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden können.“

Kunden sind verunsichert

Wilfried Haas ist inzwischen bei seinem Kunden, einem zweifachen Familienvater, angekommen. Der hat sich im Herbst 2019 ein Elektroauto gekauft und würde dafür gerne in Zukunft den Strom selbst produzieren. Er erzählt: „Im Moment habe ich beim Land Rheinland-Pfalz einen Förderantrag für den Batteriespeicher der Photovoltaikanlage gestellt, und das wird einige Monate dauern. Ich weiß jetzt also nicht, wie es weitergeht.“

Sollte der „Solardeckel“ bestehen bleiben, würde der 41-jährige Familienvater also womöglich keine Einspeisevergütung mehr von dem Netzbetreiber erhalten, wenn er sich erst in einigen Wochen eine Solaranlage kauft. Möglicherweise würde ihm die Bank nicht mal mehr eine Finanzierung anbieten, befürchtet er. „Zurzeit liegt das Risiko komplett auf meiner Seite. Ich habe einen Förderantrag gestellt, ich habe meine Hausbank gefragt, ob ich einen Teil finanzieren kann und im Endeffekt ist jetzt alles fraglich und abhängig von der Entscheidung, die in Berlin gefällt wird.“

Hindernisse auf dem Weg zum Ökostrom-Ziel

Was bei dem Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt herauskommt, ist offen. Grundsätzliches Ziel der Politik ist es, die Energiewende umzusetzen, also den Anteil des Ökostroms am Strommix bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen. Ein Thema dürfte heute auch die zukünftige Rolle der Windenergie sein.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie fordert etwa eine Anhebung des Offshore-Ausbauziels und die Abschaffung pauschaler Abstandsreglungen für Windkraft an Land. In den vergangenen Wochen war über eine mögliche bundesweite 1000-Meter-Abstand-Regelung zwischen Windrädern und Siedlungen eine heftige Diskussion.

Der Bundesverband WindEnergie fordert den generellen Verzicht auf pauschale Abstandsvorgaben, auch auf Länderebene: „Schon heute werden Abstände zum Schutz der Anwohner eingehalten, die sich aus dem Fachrecht ergeben.“

Das sieht auch Wilfried Haas so. Er schätzt, dass er seit 1987 ungefähr 50 Windräder projektiert hat. Ein Drittel davon, glaubt er, würden bei einer 1000-Meter-Abstandsregel kein zweites Mal genehmigt werden.

Etwas resigniert erzählt er, dass er 1986, nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, beschlossen hat, die Energiewende mit voranzutreiben. Damals hatte er sich selbstständig gemacht und seitdem viele Aufs und Abs erlebt. Jetzt hofft er auf ein neues Auf.

Quelle: tagesschau.de

Deutschland , Die GRÜNEN , Einkauf / Familie , Russland , Städte , tagesschau.de , Tschernobyl , Wirtschaft

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